Die andere Seite der Fotografie

Wisst ihr, einen fremden Menschen zu fotografieren ist das eine.
Es gibt etliche subjektiv schöne Menschen die ich schon vor der Kamera hatte. Wer einmal in der Modelszene etwas Fuß gefasst hat der kommt immer wieder und sehr schnell an neue Gesichter. Doch auch ich habe schon absagen bekommen, und eine war dieses Mädel hier. Ich wollte damals Vivien für einen Workshop haben den ich für eine Gruppe Anfänger veranstaltet habe. Doch sie wollte einfach nicht weil sie sich dachte das sie dabei schlecht weg kommt. Naja wer will schon vor einer Horde Anfänger? Heute kann ich sie sehr gut verstehen, aber damals war ich echt stink sauer.
Später habe ich sie dann auf einem Fotowalk getroffen und wir haben kurz zusammen gearbeitet aber uns nur auf das wesentliche in der Kommunikation beschränkt. Ich war nicht mehr sauer, nein über diesen Punkt war ich hinweg. Von weitem habe ich Sie immer mal wieder beobachtet und mir eingeredet das sie total eingebildet sein muss. Doch der einzige der eingebildet war, war meine gekränkte Eitelkeit. Heute kann ich sehr gut verstehen warum sich viele der Weiblichen Models ein Schutzschild aufgebaut haben, den in der Szene gibt es auch echt totale Idioten unter meinen lieben Fotografenkollegen und Kolleginnen. Leute die ihre Nase so hoch tragen und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Aber darüber schreibe ich ein anderes mal.

 

 

Ein paar Monate später, habe ich mich auf einem Workshop angemeldet und natürlich war Vivien wieder mit dabei. Aber dieses mal habe ich mir ein Herz genommen und bin auf sie zugegangen. Wir haben anschließend ein mega Serie hingelegt und zusammen Top Ergebnisse bekommen.

Heute gehört sie zu einer meiner liebsten Freundinnen und wenn wir uns sehen dann wird erst mal ganz fest geknuddelt. Einen fremden Menschen, ein Kollegen oder ein Freund von einem Freund zu fotografieren ist nicht schwer und die Techniken hat jeder relativ schnell raus.

 

Doch ein Bild zu machen von einer vertrauten Person, und sich danach in den Armen zu liegen weil man mit dem Bild berührt hat ist das andere. Wenn ich heute mit Vivien arbeite, dann ist das was ich bekomme, Wärme und Vertrauen. In den anderen Fotogruppen sehe ich Tonnen von Bildern.. und kaum ist ein nackter Hintern zu sehen, überschlagen sich die Likes.. aber ganz ehrlich? Warum habe ich mir damals eine Kamera gekauft ? Bestimmt nicht weil ich dann pro Bild 100 Facebook Likes bekomme.. die sind doch eh nach einem Tag wieder vergessen und kein Schwein kümmert es mehr. Und genau dieses sehe ich jeden Tag wieder und wieder.. doch überlegt doch mal selbst, wann habt ihr ein Bild gemacht und hattet beim bearbeiten Tränen in den Augen? Wann habt ihr ein Bild gemacht das Euch so emotional umgehauen hat, das ihr es am liebsten ausdrucken und an die Wand hängen wollt um diese Emotion immer und immer wieder zu erleben?
Ich habe in den letzten Jahren Fotografen kennenlernen dürfen die wirklich tolle Arbeiten abgeliefert haben. Doch einmal die Woche war dann das gejammer warum die Bilder nicht mehr gesehen werden und warum Facebook die Reichweite mal wieder eingeschränkt hat. Einige sind so daran verzweifelt das sie aufgegeben haben mit der Fotografie. Und wie ich finde aus den total falschen Gründen. Das Schlimme ist das wir in diese Richtung durch die Sozialen Medien gedrängt werden.
Der hat 1000 Likes auf seiner Seite? wow der muss gut sein. Und glaubt mir ich habe vor einiger Zeit noch selbst so gedacht. Ich kann Euch nur bitten, nehmt Euch meinen Text einmal zu Herzen und denkt nur 5 Minuten drüber nach, und stellt Euch genau die Fragen die ich Euch gestellt habe. Fragt Euch, ob Ihr nur Oberflächlich jeden nackten Hintern knipsen wollt weil Ihr dann für einen Tag der Facebook Like Held seid. Oder wollt Ihr lieber ein Bild mit einer Geschichte erschaffen? Ich für meinen Teil habe beschlossen den Menschen hinter dem Gesicht zu sehen...

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